Heute habe ich mal etwas Anderes für euch. Es handelt sich dabei um eine kurze Zusammenfassung der meiner Meinung nach wichtigsten Aussagen des Buches „Flow“ von Mihaly Csikszentmihalyi sowie ein paar Anmerkungen dazu. Der Psychologe gilt als Entwickler der Flow-Theorie und veröffentlichte 1990 sein erstes Buch darüber, dessen deutscher Titel „Flow: Das Geheimnis des Glücks“ lautet. Da mich dieses Buch sehr fasziniert hat, möchte ich seine Kernaussagen hier mit euch teilen.

Flow wird definiert als vollständiges Aufgehen in einer Tätigkeit, das zu Zufriedenheit und Freude führt. Nach Csikszentmihalyi gibt es acht Charakteristika von Flow-Erleben:

1. Es handelt sich bei der Aufgabe um eine Herausforderung, welcher man sich aber gewachsen fühlt, da die eigenen Fähigkeiten dafür ausreichen.

2. Man konzentriert sich voll und ganz auf das, was man tut.

3. Man hat die Ziele der Aufgabe klar vor Augen und bekommt während der Handlungen eine unmittelbare Rückmeldung.

4. Die Tätigkeit selbst entfaltet eine belohnende Wirkung.

5. Man handelt mit tiefer, aber müheloser Hingabe. Sorgen und Frustrationen des Alltags werden so aus dem Bewusstsein verdrängt.

6. Man erlebt ein Gefühl von Kontrolle über die Aufgabe.

7. Sorgen um das Selbst treten während der Tätigkeit vollständig in den Hintergrund und man geht anschließend mit gestärktem Selbstwertgefühl aus der Aufgabe hervor.

8. Das Gefühl für Zeitabläufe verändert sich. Die Zeit vergeht während der Tätigkeit gefühlt meist wesentlich schneller, manchmal auch deutlich langsamer.

Aufgaben, bei welchen Menschen oft Flow erleben sind z.B. Klettern oder kreative Tätigkeiten wie Malen oder Musizieren.
Ich persönlich gelange am ehesten beim Reiten und beim Schreiben in einen Flow-Zustand, manchmal aber auch beim Arbeiten oder dem Lesen eines sehr guten Buches.

Csikszentmihalyi nennt zudem drei Arten von Ressourcen, um mit Stress umzugehen. Dabei handelt es sich einmal um Unterstützung von außen durch die Gesellschaft und nahe stehende Personen. Die psychologischen Ressourcen einer Person (Intelligenz, Bildung, Persönlichkeitsfaktoren) sowie ihre Bewältigungsstrategien stellen die anderen beiden Arten dar.

Desweiteren stellt der Autor Regeln für die Entwicklung einer autotelischen Persönlichkeit auf. Menschen, die intrinsisch motiviert sind, also sich mit einer Aufgabe um ihrer selbst willen beschäftigen, werden als autotelische Persönlichkeit bezeichnet. Solche Menschen fällt es leichter in den Flow-Zustand zu gelangen. Die entsprechenden Regeln, die Mihaly Csikszentmihalyi nennt, lauten:

1. Sich Ziele setzen.

2. Sich in die jeweilige Handlung vertiefen.

3. Seine ungeteilte Aufmerksamkeit auf das Geschehen richten.

4. Lernen, sich an der unmittelbaren Erfahrung zu erfreuen.

Der Autor stellt die These auf, dass Flow-Erleben dem Menschen im Gegensatz zu materiellen Bedingungen einen direkten Nutzen für seine Lebensqualität bringt. So können auch nach materiellen Maßstäben arme Menschen Flow erfahren und dadurch ein zufriedenes Leben führen.

Zum Sinn des Lebens stellt Csikszentmihalyi fest, dass diejenigen, die ihr Leben für sinnvoll halten, meist ein Ziel haben, welches herausfordernd genug ist, um ihre ganze Energie zu beanspruchen und welches ihrem Leben Sinn verleiht. An dieser Stelle greift der Autor auf eine Unterscheidung der Existenzialphilosophen zurück. Diese unterscheiden authentische und nichtauthentische Projekte.
Authentische Projekte verfolgt ein Mensch, der erkennt, dass er die freie Wahl hat und eine Entscheidung trifft, die auf seiner eigenen rationalen Einschätzung beruht.
Nichtauthentische Projekte wählt ein Mensch, da sie seiner Meinung nach das sind, was alle tun und er keine Alternativen sieht. Das Verfolgen eines authentischen Ziels kann dem Leben eher einen Sinn verleihen.

Könnt ihr das nachvollziehen? Bei welcher Tätigkeit seid ihr schon mal in den Flow-Zustand gekommen?
Allen, die tiefer in die Materie einsteigen wollen, empfehle ich das Buch selbst zu lesen. Durch die vielen Beispiele, die der Autor verwendet, kann man die theoretischen Konzepte sehr gut nachvollziehen.

Finde deine Balance!