Vor kurzem habe ich euch einen Überblick über sieben nützliche Lerntechniken gegeben. Heute möchte ich näher auf die dort vorgestellte PQ4R-Methode von Thomas und Robinson eingehen. Dabei handelt es sich um eine Technik zum Lesen von (wissenschaftlichen) Texten, deren Informationen man behalten und/oder weiterverarbeiten möchte. Im Folgenden werde ich euch die sechs einzelnen Schritte der PQ4R-Methode ausführlich erläutern und darauf eingehen, wie ich die Technik für mich angepasst habe.

Der erste Schritt ist die Preview, bei der es darum geht vorab einen Überblick über den Text zu bekommen. Dazu sollte man kurze Texte auf einmal, Bücher nach Abschnitten, z.B. kapitelweise überfliegen. Überschriften, Register, Einleitungen, Zusammenfassungen, Hervorhebungen, Aufzählungen, Grafiken, Tabellen und Abbildungen geben gute Anhaltspunkte, die man sie beim Überfliegen näher anschauen kann. Auch der erste – und gerade bei längeren Abschnitten evtl. auch der letzte – Absatz enthalten oft wichtige Informationen zur ersten Orientierung. So verschafft man sich nicht nur einen Überblick über den Gesamtzusammenhang, wodurch man Details später besser verstehen kann. Man kann auch leichter entscheiden, ob der Text tatsächlich für uns wichtige Informationen enthält bzw. welche Textteile diese Informationen enthalten. Dazu kann man beim Überfliegen gezielt nach zuvor festgelegten Schlagworten suchen. Die jeweiligen Textteile sollte man sofort markieren, um später zu wissen, was man gründlich lesen will.

Der zweite Schritt nennt sich Question. Hier sollte man sich eigene Fragen an den Text überlegen. Was interessiert mich von dem, was ich beim Überfliegen gesehen habe, am meisten? Was ist nützlich für meine Hausarbeit? Wozu habe ich bereits Vorwissen? Gut geeignet sind auch inhaltliche Fragen, die man sich aus dem Vorwissen überlegt. Was ist die Absicht des Verfassers? Welche Bereiche könnten in der Klausur abgefragt werden? Was könnte mich überraschen? Was sind die Kernaussagen? Ich muss zugeben, dass ich diesen Schritt oft vernachlässige oder einfach vergesse. Dabei ist er sehr sinnvoll, durch Fragen Vorwissen zu aktivieren und Interesse zu wecken. Beides führt dazu, dass wir den Text besser verstehen und uns mehr merken können. Daher habe ich nun eine Aufstellung mit allgemeinen Fragen auf dem Schreibtisch liegen. So kann ich diesen Schritt nicht mehr so leicht vergessen.

Bei dem dritten Schritt handelt es sich um Read, das heißt das eigentliche Lesen. Hier sollte man den Text gründlich lesen und nach Antworten auf die gestellten Fragen suchen. Nach dem gründlichen Lesen sollte man alle Details verstanden haben und die wichtigsten Punkte wiedergeben können. Um das sicherzustellen kann es notwendig sein, unbekannte Begriffe nachzuschlagen oder nach weiteren Informationen zu suchen. Außerdem kann man nun auch Unterstreichungen vornehmen und sich Notizen machen. Ich lese immer einen Absatz, markiere dann die wichtigsten Aspekte und schreibe teilweise Schlagworte an den Rand.

Der vierte Schritt heißt Reflect und besteht darin das Gelesene nochmals in Gedanken nachzuvollziehen sowie Verbindungen mit dem eigenen Vorwissen zu suchen. Hier versuche ich mir, möglichst ohne in den Text zu schauen zu überlegen, was neu für mich war und wo der Text an vorhandenes Wissen anknüpft.

Im fünften Schritt ist nun Recite an der Reihe. Man geht den Text nochmals durch und versucht dabei die im zweiten Schritt gestellten Fragen zu beantworten. Das sollte nach dem gründlichen Lesen, markieren und dem gedanklichen Nachvollziehen nicht mehr allzu schwer fallen.

Der sechste und letzte Schritt besteht in der Review. Hier sollte man den Text in Gedanken rekapitulieren und die Antworten auf die eigenen Fragen zusammenfassen. Meist wird empfohlen die Fragen schriftlich zu beantworten, was ich allerdings aus Zeitgründen nicht mache. Stattdessen gehe ich dann je nach Thema und Ziel (Klausur, Vortrag oder Hausarbeit) direkt über zum schriftlichen Zusammenfassen, Karteikarten schreiben oder visualisieren in Form von Mindmaps.

Die PQ4R-Methode ist natürlich relativ aufwendig und kostet etwas Zeit. Wobei der erste, zweite und fünfte Schritt mit etwas Übung nur wenige Minuten pro Text dauern. Liest man aber stattdessen den Text sofort gründlich, fehlt einem der Gesamtüberblick, man streicht viel zu viel an und kann sich wenig merken. Daher lohnt es sich meiner Meinung nach die PQ4R- oder eine ähnliche Lesetechnik anzuwenden. 

Finde deine Balance!